Die mittelalterlichen Kirchen in

Brandenburg an der Havel

in alten und neueren Ansichten

(Kirchen Teil 1)

 

Bedingt durch die geschichtliche Entwicklung von Brandenburg an der Havel gibt es im heutigen Stadtgebiet eine Vielzahl von Kirchen. An seinen mittelalterlichen Kirchenbauten übertrifft die Stadt Brandenburg nahezu alle märkischen Städte.

Während man in den west- und südlichen Bundesländern als Baumaterial für die Kirchen meist Sandstein, Basalt oder Kalkstein aus den in der Nähe liegenden Steinbrüchen verwandte, mussten unsere märkischen Baumeister des Mittelalters der hohen Transportkosten wegen auf dieses Material verzichten. Infolgedessen griff man zu einem einheimischen Baumaterial, dem überall in der Mark zahlreich vorkommenden Granitfindlingen, die durch die Gletscher der Eiszeit von Skandinavien kommend, hier abgelagert wurden. So wurde der erste Kirchenbau Brandenburgs, die Gotthardtkirche, zwischen 1140 und 1150 aus diesen Feldsteinen errichtet. Von diesem ersten Kirchenbau ist noch heute der Westbau der Gotthardtkirche als ältestes Brandenburger Baudenkmal erhalten.

Nur etwas später, schon in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts, hat sich dann die Backsteinbaukunst in der Mark durchgesetzt. Der Dom zu Brandenburg ist das erste, vollständig in unverblendetem Backstein ausgeführte Bauwerk der Mark Brandenburg. Fortan dominierten Backsteinbauten in vollendeter Technik und Ästhetik den Kirchenbau. Noch heute stehen wir fasziniert vor den Kunstwerken der damaligen Baumeister, die keine Krane, Motoren und Maschinen zur Verfügung hatten. 

 

Der Dom St. Peter und Paul

Die den Aposteln Petrus und Paulus gewidmete Domkirche ist die Kathedrale des ehemaligen Bistums Brandenburg. Der bei der Gründung des Bistums im Jahre 948 von Kaiser Otto I. auf der Dominsel errichtete erste Kirchenbau wurde bei dem großen Wendenaufstand im Jahre 983 wieder zerstört. Bischof Wilmar erhob dann den Prämonstratenser-Konvent an der Gotthardtkirche in Parduin im Jahre 1161 zum Domkapitel. Damit begann auch der Bau einer neuen Domkirche. Die Grundsteinlegung erfolgte am 11.10.1165.  Im gleichen Jahr siedelte das Domkapitel auf die Dominsel über.

Bei der damaligen Wahl des Standortes entschied man sich für die höchstgelegene Stelle der Dominsel. Der Bau des Domes auf der havelumgebenen Dominsel zog allerdings statische Probleme nach sich. Seine Fundamente sind teilweise auf der Wallanlage und zugeschütteten Burggräben der ehemaligen slawischen Burganlage gelegt, gründen zwar bis in Tiefen von 7 Meter, reichen aber nicht auf ausreichend tragfähigen Untergrund. Setzungsbewegungen waren die Folge. Die statischen Probleme verstärkten sich, als in der Spätgotik die Schiffe eingewölbt wurden. Die Fundamente reichten nicht aus, um den Schub, den die Gewölbe auf die Wände ausübten, aufzufangen. Mehr und mehr wurden die Wände nach außen gedrückt, was zu Spannungen und Schäden in den Gewölben führte.

     

Slg: H.M.Waßerroth, Foto: unbekannt

Blick zur Dominsel mit Dom um 1850, links die damalige Mittelmühle, ein Gemälde des Hofmalers Alberti

        

An der heutigen Domkirche sind mehrere unterschiedliche Bauperioden erkennbar. Ursprünglich war eine einfache einschiffige kreuzförmige Saalkirche im romanischen Stil vorgesehen. Bei dem folgenden Ausbau des Langhauses mit Errichtung zweier Seitenschiffe, der Krypta und des ersten Teils der zweitürmigen Westfassade entstand eine romanische dreischiffige Basilika mit flacher Balkendecke. Zum Bau der Krypta wurde der Fußboden des Chores um 4 Meter über den Fußboden der Kirche angehoben. Aus der ersten Bauperiode sind durch spätere Umbauten nur noch wenige Bauelemente erhalten geblieben.

In der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts entstand der zweistöckige Anbau nördlich des Chores mit der Sakristei und der bunten Kapelle. Weitere im gotischen Stil gehaltene Um- und Erweiterungsbauten erfolgten bis ins 15. Jahrhundert hinein. Hier erhielt auch der Chor seine heutige Gestalt und die Holzdecke der Kirchenschiffe wurde mit einem Kreuzrippengewölbe spitzbogig eingewölbt. Diese Bauphase schloss Mitte des 15. Jahrhunderts mit der Erhöhung des Nordturmes. Im 17. Jahrhundert wurde der hölzerne durch einen steinernen Turmaufbau ersetzt. Die ursprüngliche Planung, einen zweiten Turm zu errichten, wurde nie verwirklicht. So ist vom Südturm nur ein Stumpf in der Westfassade vorhanden.

Nach einem Gutachten über den Zustand des Domes durch den obersten preußischen Baubeamten Karl Friedrich Schinkel 1828 erfolgten von 1834 bis 1836 umfangreiche Umbau- und vor allem Rettungsmaßnahmen zur statischen Stabilisierung, um einen drohenden Einsturz des Bauwerkes abzuwenden. Durch den Einbau von Zugankern im Mittelschiff und den Neuaufbau des südlichen Seitenschiffes konnte eine Stabilisierung erreicht werden. Nach einem Entwurf von Schinkel erhielt hier auch die gesamte Westseite ihre heutige Gestalt in neugotischem Stil und der riesige Davidstern, der diese Seite seit der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts schmückte, wurde verblendet. Der Turm bekam statt der bisherigen Holzspitze einen Helm als Abschluss und der Zugang zur Krypta wurde über eine breite Treppe ins Langhaus verlegt. Die Wiedereinweihung am 01.10.1836 fand im Beisein des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III. statt.

   

Slg: H.M.Waßerroth, Foto: unbekannt

Blick zum Hochaltar um 1925 mit der von Schinkel eingebauten breiten Treppe

     

Von 1961 bis 1965 erfolgten weitere Sicherungs- und Restaurierungsarbeiten. Es wurden hierbei zahlreiche Bohrpfähle zur Stabilisierung der Grundmauern gesetzt. Einige von Schinkel vorgenommene Einbauten wie die große Treppe im Langhaus wurden wieder entfernt, um weitestgehend wieder eine Annäherung an den mittelalterlichen romanischen Bauzustand zu erreichen.

Mit Hilfe des Fördervereins "Dom zu Brandenburg", der dafür ca. 6,5 Millionen DM an Spenden sammelte, konnte von 1996 bis 1999 mit modernster Technik und neuesten Methoden eine hoffentlich dauerhafte statische Sicherung erreicht werden.

Nördlich schließt sich an den Dom eine Klosteranlage mit mittigem Friedgarten und ihn umgebenden Refektorien, Dormitorien Kreuzgang und Nebengelassen an. Der Westflügel der Klosteranlage wurde Anfang des 18. Jahrhunderts abgetragen und an seiner Stelle das Gebäude der später als Ritterakademie bezeichneten Schule, anfangs für die Schüler des märkischen und pommerschen Adels, errichtet. Der Schulunterricht begann erstmalig am 26.01.1705 und wird bis zum heutigen Tage hier durchgeführt. Im Laufe der nun über 300-jährigen Schulgeschichte gab es mehrfach ein Auf und Ab und auch Unterbrechungen im Schulbetrieb der seit 1809 zum Gymnasium erhobenen Ritterakademie. In den Jahren 1868 bis 1871 wurde das heutige Gebäude der Ritterakademie erbaut.

Die anderen Gebäude der Klosteranlage beherbergen heute das Dommuseum.

 

Die evangelische Domgemeinde gehört zur Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg- Schlesische Oberlausitz.

Die Öffnungszeiten des Domes: täglich von 10.00 - 17.00 Uhr

       

Original aus: Wikimedia Commons

Der Dom St. Peter u. Paul heute, Aufnahme: © Mathias Krumbholz, 11.11.2014

      

Slg: H.M.Waßerroth, Foto: unbekannt

Grundriss des Brandenburger Domes

     

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Verlag: unbekannt, Foto: unbekannt

Dom St. Peter u. Paul um 1928

   

Slg: H.M.Waßerroth, Foto: unbekannt

Dom St. Peter u. Paul, Blick zur Orgel, um 1925, deutlich sind die Zuganker im oberen Bereich erkennbar

    

Slg: H.M.Waßerroth, Foto: unbekannt

Dom St. Peter u. Paul, die Kanzel um 1925 am Fuße der großen schinkelschen Treppe

     

Slg: H.M.Waßerroth, Foto: unbekannt

Dom St. Peter u. Paul, die Krypta, um 1925

      

Slg: H.M.Waßerroth, Foto: unbekannt

Dom St. Peter u. Paul, die bunte Kapelle, um 1925

    

Slg: H.M.Waßerroth, Foto: unbekannt

Dom St. Peter u. Paul, der Kreuzgang, um 1925

  

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Verlag: Kunstverlag J. Goldiner, Berlin, Foto: unbekannt

Dom St. Peter u. Paul mit Nordturm

   

Die  St. Petrikapelle

In der Nähe der Domkirche liegt die Petrikapelle. Sie wurde wahrscheinlich im 13. Jahrhundert unter Verwendung von Material der alten Burgkapelle erbaut und steht auf dem ehemaligen markgräflichen Arial der Dominsel. Die Dominsel war im 12. und 13. Jahrhundert geteilt in ein bischöfliches und ein markgräfliches Areal. 1320 ging sie in den Besitz des Domkapitels über und wurde seitdem als Pfarrkirche genutzt.

In ihrer früheren Funktion als Burgkapelle soll sie Grabstätte des letzten Heveller-Fürsten Pribislaw-Heinrich und seiner Frau Petrussa sein, archäologisch nachgewiesen konnte das bisher noch nicht.

Der gotische, rechteckige einschiffige Backsteinbau ruht auf einem hohen Feldsteinsockel aus dem frühen 13. Jahrhundert. Der Bau wirkt bis auf seinen verzierten Ostgiebel sehr schlicht. Sein ursprünglich hölzernes Tonnengewölbe ersetzte man etwa 1520 durch ein sehenswertes Zellengewölbe. Der auch hier instabile Untergrund zwang im Jahr 1588 zur Anfügung von drei Außenstützpfeilern an der südlichen Wand des Kirchenschiffes. Im Jahr 1849 musste der im 15. Jahrhundert angefügte Turm und Westgiebel wegen Baufälligkeit abgerissen und ein neuer Westgiebel neu aufgebaut werden.

    

Slg: H.M.Waßerroth, Foto: unbekannt

Die St. Petrikapelle um 1925 mit Ostgiebel

  

Slg: H.M.Waßerroth, Foto: unbekannt

Das Zellengewölbe im Inneren der St. Petrikapelle, um 1925

      

Original aus: Wikimedia Commons

Die St. Petrikapelle heute, deutlich zu erkennen der alte Feldsteinsockel,

Aufnahme: © Gregor Rom, 25.06.2015

   

Die St. Gotthardtkirche

  

Die St. Gotthardtkirche erhielt ihren Namen nach dem heiligen Godehard, dem ehemaligen Bischof von Hildesheim, der im Jahre 1038 starb. Nach dem Übertritt des Wendenfürsten Pribislaw-Heinrich und seiner Frau Petrussa zum Christentum wurde zwischen 1140 und 1150 für die aus Leitzkau nach Brandenburg gerufenen Prämonstratenser-Chorherren der Kaufmannsiedlung Parduin die Gotthardtkirche errichtet. Von ihr ist heute nur noch der aus Feldsteinen bestehende Westbau erhalten. Der romanische Sockel des Westbaues mit seinem typischen rundbogigen Stufenportal entspricht den Baugewohnheiten der Prämonstratenser und gilt mit dem Sockel der Petrikapelle auf dem Dom als ältestes erhaltene Bauwerk in Brandenburg.

      

Original aus: Wikimedia Commons

Das romanische Westportal, Aufnahme: © Gregor Rom, 16.01.2014

     

Im 13. Jahrhundert ist die doppeltürmige Anlage des Westwerkes aufgegeben und der Bau mit einem Mittelturm versehen worden. Sein oberer Teil bestand hier schon aus Ziegelsteinen. Die heute wieder hergestellte Turmspitze stammt aus dem Jahre 1767.

Nach dem Abbruch der alten Feldsteinkirche entstand die jetzige gotische, dreischiffige Hallenkirche. Sie wurde nach einigen Umbauten zwischen 1456 und 1475 vollendet.

An der Südseite der Kirche befinden sich drei Kapellen, von denen die östliche mit der Sakristei und einem Obergeschoss gleichzeitig mit dem Chor erbaut wurde. Die anderen Südkapellen entstanden später und waren ebenfalls 1475 fertig. An der Nordseite befindet sich die 1472 vollendete Taufkapelle. Hier wurde unser Ehrenbürger der Stadt Vicco von Bülow (besser bekannt als Loriot) am 30.12.1923 getauft.

   

Slg: H.M.Waßerroth, Foto: unbekannt

St. Gotthardtkirche, Blick in die Taufkapelle, hölzerner Baldachin mit Bronzetaufe, um 1925

     

Im Innern der Kirche tragen 16 Rundpfeiler ein Kreuzgewölbe, welches in den Jahren 1904 bis 1906 nach einer Spendenaktion erneuert und ausgemalt wurde. Sehenswert wie vieles andere auch ist die aus Sandstein gearbeitete Kanzel. Sie wurde von der Tuchmachergilde der Altstadt in Jahr 1623 gestiftet und gilt als Werk der Spätrenaissance als die schönste Kanzel der Brandenburger Kirchen.

Von der Zeit der Reformation bis 1923 beherbergte die St. Gotthardtkirche die Bibliothek des aufgelassenen Franziskanerklosters vom Salzhof neben der St. Johanniskirche.

Zum Ende des Zweiten Weltkrieges hatte der Turm einige schwere Treffer abbekommen. Der Turm erhielt zu DDR-Zeiten eine behelfsmäßige Turmspitze mit Kreuz. 1972 beschädigte ein Orgelbrand den Innenraum der Kirche. Sie wurde darauf hin im Renaissancestil renoviert. Von 1990 bis 1993 erfolgte eine umfassende Restauration, bei der auch der Turm wieder seine Spitze wie vor den Kriegszerstörungen erhielt.

  

Die Öffnungszeiten der St. Gotthardtkirche: täglich von 11.30 - 15.30 Uhr

    

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Verlag: Carl H. Odemar, Magdeburg, Foto: unbekannt

St. Gotthardt-Kirche

       

Slg: H.M.Waßerroth, Foto: unbekannt

Das Innere der St. Gotthardtkirche, Blick auf den Chor, um 1925

   

Slg: H.M.Waßerroth, Foto: unbekannt

Die Orgel der St. Gotthardtkirche, um 1925

  

Slg: H.M.Waßerroth, Foto: unbekannt

St. Gotthardtkirche, die Kanzel, um 1925

    

Deutsche Fotothek, Foto: Abraham Pisarek

Die im Krieg beschädigte St. Gotthardt-Kirche am 08.06.1946

   

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Verlag: unbekannt, Foto: unbekannt

St. Gotthardt-Kirche mit behelfsmäßiger Kirchturmspitze und Rathenower Torturm 1957

   

Die St. Katharinenkirche

    

Die 1401 der heiligen Katharina, der heiligen Amalberga und dem heiligen Nikolaus geweihte Pfarrkirche der Neustadt gehört zu den hervorragendsten Meisterwerken des norddeutschen Backsteinbaus. Der Bau legt zugleich ein großartiges Zeugnis ab von der Wohlhabenheit und dem künstlerischen Sinn der Brandenburger Bürger, so Friedrich Grasow 1928. St. Katharinen ist eine dreischiffige spätgotische Hallenkirche und die größte der Stadt. Ihr Turm ist 72,5 Meter hoch. Bis 1395 stand an ihrer Stelle, übrigens das geografisch höchstgelegene Gelände der Neustadt Brandenburg, eine einschiffige Feldsteinkirche. Diese wurde 1217 erstmals urkundlich erwähnt. Spuren der Feldsteinkirche sind im unteren Teil des Westbaus noch heute vorhanden.

Der Neubau von 1401 entstand unter Leitung des Stettiner Baumeisters Heinrich Brunsberg. An der Südseite der Kirche befinden sich zwei Kapellen, von denen die westliche als Schöppenkapelle bezeichnet wird, die östliche ist zweigeschossig, ihr unterer Raum dient als Sakristei. Auf der Nordseite liegt die größte Kapelle, die als Taufkapelle dient. Das Äußere der Kirche überbietet an Schmuck alles, was der Backsteinbau bis da geboten hat.

    

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Verlag: Staatliche Bildstelle / Deutscher Kunstverlag, Berlin, Foto: unbekannt

Die reich verzierte Südseite der St. Katharinenkirche

 

Erwähnenswert ist da noch der als Turmkatastrophe in die Geschichte eingegangene Einsturz des Turmes vom 30.03.1582 morgens um 3.00 Uhr. Vorausgegangen war eine Beschädigung durch einen Orkan 1580, bei dem der Turm bereits Risse bekommen hatte. Zum Zeitpunkt des Einsturzes schliefen 3 Kunstpfeifergesellen in der Kunstpfeiferwohnung in den oberen Geschossen. Alle drei überlebten das Unglück mit nur leichten Verletzungen. An der Kirche wurde die Westwand mit der an ihr aufgehängten Orgel zerschlagen. Danach errichtete der Mailänder Baumeister Johann Baptista de Sala den Turm neu und deckte ihn mit einem "verlorenen Dach" ab. Zehn Jahre später wurde der Turm mit der achteckigen Haube und der durchbrochenen Laterne von dem Dresdner Zimmermannsmeister Balthasar Richter vollendet.

Historisch war die Katharinenkirche immer komplett von Wohn- und Zweckbauten umgeben. Es gab nur 4 schmale Zuwegungen. Der Katharinenkirchplatz war zwischen 1333 und 1809 Kirchhof/Friedhof. Erst der schwere Bombenangriff am 20.04.1945 und dann die Zerstörungen im Zuge der Erstürmung der Stadt in den letzten Apriltagen 1945, denen viele Patrizierhäuser wie das wie Kurfürsten- oder Storbecksche Haus und das Riedelsche Haus zum Opfer fielen,  öffneten an der Südostecke des Katharinenkirchplatzes den Blick auf den Chor der Kirche. Die Schäden an der Kirche hielten sich glücklicherweise in Grenzen.

Im Jahre 2005 musste der Turm wegen DDT-Kontaminierung der Hölzer der oberen Turmkonstruktion nach Behandlung mit dem Holzschutzmittel Hylotox zu DDR-Zeiten für Besucher gesperrt werden. 

    

Die Öffnungszeiten der St. Katharinenkirche: werktags von 11.00 - 15.00 Uhr

sonn- und feiertags von 13.00 - 16.00 Uhr

   

Original aus: Wikimedia Commons

Innenansicht der St. Katharinenkirche heute, Aufnahme: © Mathias Krumbholz, 05.09.2014

    

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Verlag: Fritz Otto, Brandenburg/Havel, Foto: unbekannt
  

St. Katharinenkirche

    

Slg: H.M.Waßerroth, Foto: unbekannt

Inneres der St. Katharinenkirche, um 1925

         

Slg: H.M.Waßerroth, Foto: unbekannt

Der Altarraum der St. Katharinenkirche mit den Standbildern der zwölf Apostel, um 1925

      

Slg: H.M.Waßerroth, Foto: unbekannt

St. Katharinenkirche, die Kanzel, um 1925

      

Slg: H.M.Waßerroth, Foto: unbekannt

St. Katharinenkirche, die Bronzetaufe aus dem 15. Jahrhundert, um 1925

      

Die St. Paulikirche

     

Die St Paulikirche ist eine ehemalige Kirche der Dominikaner. Die Dominikaner sind seit 1267 in Brandenburg nachweisbar. An der Stelle des ehemaligen Dominikanerklosters, heute Archäologisches Landesmuseum Brandenburg, befand sich einst der Hof des askanischen Markgrafen. Nach dem Tode des Markgrafens Otto III. schenkte sein Sohn Otto der Lange im Jahre 1286 den markgräflichen Hof am Randes der Neustadt den Dominikanern zur Anlage eines Klosters. Vermutet wird, dass zu dieser Zeit der Chor der Kirch als Kapelle bereits nutzbar war. Laut Grabungen war ursprünglich eine Vollendung als Saalkirche geplant. Nach Überlassung weiteren Grundes durch die Stadt 1311 konnte die dreischiffige Halle bis etwa 1330/40 vollendet werden. Aus dieser Zeit hat sich das figürliche Chorscheitelfenster erhalten. Der Chorseitenturm wurde 1469 angefügt. Im Jahre 1286 weihte Bischof Gebhard von Brandenburg die Kirche dem Hl. Andreas und der Hl. Maria Magdalena. Etwa 100 Jahre später wurde der Kloster-Kirchen-Komplex fertig gestellt und durch Bischof Dietrich III. im Jahre 1384 den Heiligen Drei Königen und dem Hl. Paulus umgeweiht.

Mit dem Einzug der Reformation in die Mark Brandenburg endete die katholische Ära des Klosters. Die ansässigen Mönche durften aber im Kloster verbleiben. Im Jahre 1560 schenkte Kurfürst Joachim II. die Anlage der Neustadt Brandenburg und die St. Paulikirche wurde nun 1565 als evangelische Pfarrkirche geweiht. 1733 erfolgte ein Innenausbau mit Emporen und von 1868-70 ist die Kirche unter Leitung von Ferdinand von Quast restauriert worden.

Am Abend des 26.04.1945 gerät die Paulikirche und die Klosteranlage durch die schweren Straßenkämpfe in dieser Gegend bei der Erstürmung der Stadt durch die Russen in Brand. (lt. Aufzeichnungen aus dieser Zeit von Schwester Gilberta der katholischen Pfarrgemeinde Heilige Dreifaltigkeit). Das Kloster, die Kirche und der Turm brannten vollständig aus. Bis zum 29. April 1945 wüteten die Flammen, an ein Löschen war wegen der Kämpfe nicht zu denken. Nur die Mauern und die Gewölbe der Kirchenschiffe blieben erhalten.

 

Slg: H.M.Waßerroth, Foto: unbekannt

Klosterruine St. Pauli nach den Kämpfen 1945 von Süden gesehen

       

Nach dem Krieg hatte man kein Interesse an der Ruine, wohl auch aus finanziellen Gründen. Es wurde nichts zur Sicherung unternommen, so dass 1958 dann die südliche Pfeilerreihe einstürzte. Daraufhin sind die übrigen Gewölbe abgetragen und der Turm und die restlichen Umfassungsmauern gesichert worden.

     

Original aus: www.baunetz.de

Innenansicht der Kirchenruine St. Pauli, Aufnahme: unbekannt

   

 

Original aus: www.seelig-privat.de

Kirchenruine St. Pauli mit Kloster vor dem Wiederaufbau, Aufnahme:  © Ulrich Seelig, 02.08.2002

       

In den 1960er Jahren sollte die Klosteranlage wieder aufgebaut und für museale Zwecke genutzt werden. Die bereits 1958 begonnenen Instandsetzungsarbeiten brach man dann aber 1967 ab. Erst nach der Wiedervereinigung ist der Museumsgedanke wieder aufgegriffen und dann auch umgesetzt worden. Der Entscheid zur völligen Rekonstruktion fiel 2002. Am 24.09.2008 eröffnete im ehemaligen Kloster das Archäologische Landesmuseum Brandenburg, das Kirchenschiff wird für kulturelle Veranstaltungen genutzt.

Kirche und Kloster sind hier ein gutes Beispiel für geglückte, behutsame und sachkundige Sanierung eines mittelalterlichen Baukomplexes. Ohne massiv in den Baukörper einzugreifen, wurden moderne technische Erfordernisse mit dem ursprünglichen Nutzungskonzept in Einklang gebracht. Zur Ausbesserung der schwer geschädigten Bausubstanz wurden extra in der hiesigen Region angefertigte Ziegelsteine nach historischen Vorlagen u.a. im sogenannten Klosterformat eingesetzt. Äußerlich fast wie früher, ist im Inneren ein zweckmäßiger Ausbau erfolgt. Die historischen Gewölbe der Kirchenschiffe sind nicht wieder errichtet worden.

    

Original aus: Wikimedia Commons

Das St. Paulikloster mit Kirche heute, rechts im Hintergrund die St. Katharinenkirche,

Aufnahme: © Mathias Krumbholz, 27.03.2014

   

Slg: H.M.Waßerroth, Foto: unbekannt

Grundriss Paulikloster mit Kirche

     

Original aus: www.guelcker.de

Das Innere der St. Paulikirche heute, rechts die neu aufgebaute Pfeilerreihe,

Aufnahme: © CC-BY W. Guelcker, 19.07.2011

           

   

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Verlag: Gotthilf Erhard, Brandenburg (Havel), Foto: unbekannt

St. Pauli-Kirche, Blick von der Abtstraße

      

Slg: H.M.Waßerroth, Foto: unbekannt

Die St. Paulikirche, um 1925

 

Das ehemalige Innere der St. Paulikirche war nicht verputzt. Die Schiffspfeiler, die genau in der Flucht der Chorwände stehen, haben eine achteckige Grundform und sind/waren durch schlichte Längsgurte verbunden. Die Kanzel, ein Werk aus der Barockzeit von 1718, war aus Holz. Sie ruhte auf der Figur des Moses und war mit den Figuren de Evangelisten geschmückt. Den Schalldeckel krönte das in hebräischen Buchstaben geschriebene von einer Strahlenglorie umgebene Wort Jehova.

Die Taufe aus dem Jahre 1565 bestand aus Kalkstein. Um ihren Fuß saßen die Evangelisten. Darunter befanden sich die Wappenschilde der vier Brandenburger Bürgermeister Lukas Scholl, Simon Karpzow, Joachim Löwe und Hans Weis. Unter den am Taufkessel angebrachten acht Wappen fanden sich die Wappen aus Kurbrandenburg und der Neustadt Brandenburg.

   

Slg: H.M.Waßerroth, Foto: unbekannt

Ursprünglich Inneres der St. Paulikirche, um 1925

 

Slg: H.M.Waßerroth, Foto: unbekannt

St. Paulikirche, die Taufe, um 1925

 

Slg: H.M.Waßerroth, Foto: unbekannt

Der Kreuzgang von St. Pauli mit Friedgarten, um 1925

Friedrich Grasow schwärmte davon 1928: "Der vom Kreuzgang umschlossene Friedgarten ist eine der malerischsten Stätten der Stadt und ein Ort stiller poetischer Weihe."

 

Slg: H.M.Waßerroth, Foto: unbekannt

Der Kreuzgang von St. Pauli mit Grabsteinen, um 1925

 

Slg: H.M.Waßerroth, Foto: unbekannt

Blick auf die mittelalterliche Anlage von Kloster und Kirche St. Pauli vom Turm der kath. Kirche aus, um 1925

    

Die St. Johanniskirche

     

Die Johannis dem Täufer geweihte Kirche der evangelisch-reformierten Gemeinde war früher die Kirche eines Franziskanerklosters, das um 1237 von der Bischofsresidenz Ziesar nach hier verlegt wurde. An Stelle der heutigen Kirche wurde um 1240 eine erste, spätromanische Kirche ohne Turm errichtet, für die das Gelände nahe der Havel aufgeschüttet werden musste. Die heutige Kirche ist eine einschiffige Backsteinkirche mit vieleckigem Chor und entstand ab 1411 durch verschiedene Anbau- und Aufstockungsmaßnahmen. 1420/22 war die Wölbung im Schiff vollendet. Danach wurde an der Nordseite ein seitenschffartiger Anbau, weshalb öfter auch von einem zweischiffigen Kirchenbau die Rede ist, angefügt. 1460 bis 1469 entstand der Glockenturm.

    

Slg: H.M.Waßerroth, Foto: unbekannt

Das Johanniskloster mit Kirche im Jahr 1860

     

Slg: H.M.Waßerroth, Foto: unbekannt

Grundriss Johanniskloster mit Kirche

 

Im Zuge der Reformation wurde das Kloster von Kurfürst Joachim II. aufgehoben und ab 1544 sind die Gebäude von der Altstadt Brandenburg als Hospital genutzt worden. Die letzten noch im Kloster lebenden Franziskanermönche hatten aber ein Bleiberecht auf Lebenszeit. Im 19. Jahrhundert richtete sich noch eine Brauerei in dem Kloster ein bis 1865 das letzte Gebäude abgerissen wurde. Seit 1866 stand dann an dieser Stelle das Gebäude der Saldria, in dieser Zeit die Altstädtische Bürgerschule im Sinne einer Realschule. Diese Schule erhielt bei dem schweren Bombenangriff auf Brandenburg am 31.03.1945 einen Volltreffer im Mittelteil und wurde daraufhin nach dem Krieg abgerissen. 

        

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Verlag: O. Sidow & Co, Brandenburg (Havel), Foto: unbekannt

Schiffsanlegestelle "Am Salzhof" mit Johanniskirche und Saldria um 1915

    

Die geringe Entfernung der Kirche zur Havel wirkt sich nachteilig auf die Standfestigkeit aus. Bereits vor 1679 musste das Gewölbe wieder heraus genommen werden. Eine einfache bemalte Holzdecke ersetzte das Gewölbe. Trotzdem haben sich die Nord-, wie auch die Südwand stark geneigt. Die Südwand wurde deshalb durch massive Außenpfeiler gestützt. 1849 ist die einfache Holzdecke durch ein hölzernes Kreuzgewölbe ersetzt worden. 

Wie die daneben stehende Saldria, erhielt auch die St. Johanniskirche bei dem britischen Luftangriff auf Brandenburg am 31.03.1945 einen Bombentreffer. Das gesamte Westjoch wurde ab den westlichsten Fensteröffnungen zerstört.

Den seitenschiffartigen Anbau nutzte die Gemeinde noch bis 1985 für Gottesdienste. Die Bögen zum Hauptschiff wurden kurzerhand zugemauert. Von außen ist der Anbau über ein segmentbogiges Nordportal zugänglich.

Das Innere des Hauptschiffes war durch den fehlenden westlichen Abschluss jahrelang der Witterung ausgesetzt. In Folge dessen stürzte am 10.08.1986 das restliche Dach des Kirchenschiffes ein. In den 1980er Jahren gab es ohnehin Pläne der DDR-Oberen, die inzwischen stark instabile Kirchenruine abzureißen. Dazu kam es aber nicht mehr. 1992 bekam die Ruine der St. Johanniskirche erst mal ein Notdach und wurde dann 2007 mittels massiver Stahlträger statisch gesichert.

    

Original aus: Wikimedia Commons

Innenansicht der notgesicherten St. Johanniskirche, Aufnahme: © Michael Lowin, 18.04.2010

   

Im Rahmen der umfangreichen Sanierung der Kirche bis 2015 wurde ein neuer Westabschluss in moderner Glas-Metall-Bauweise mit einem zusätzlichen breiten Zugang zum Gebäude errichtet. Das provisorisch 1992 aufgesetzte flache Dach tauschte man nun gegen eine dem ursprünglichen Aussehen sehr ähnliche Dachkonstruktion aus. Die das Seitenschiff abtrennenden Mauern in den Bögen wurden wieder entfernt und ein neuer Fußboden eingezogen. Die historische Inneneinrichtung der St. Johanniskirche ist nicht mehr vorhanden.

Die Kirche ist heute zwar nicht mehr im Eigentum der evangelisch-reformierten Gemeinde, sie ist aber nutzungsberechtigt und führt hie mehrfach Gottesdienste durch.

Zur Bundesgartenschau 2015 diente die Kirche als Blumenhalle.

       

Original aus: Wikimedia Commons

Der erste Gottesdienst nach Wiederherstellung der St. Johanniskirche,

 Aufnahme: © Gregor Rom, 27.03.2016

    

Karte am 20.07.1908 gelaufen

Verlag: unbekannt, Foto: unbekannt

Schiffsanlegestelle "Am Salzhof" mit Johanniskirche um 1905

      

Slg: H.M.Waßerroth, Foto: unbekannt

Die St. Johanniskirche um 1925

  

Slg: H.M.Waßerroth, Foto: unbekannt

Das Innere der St. Johanniskirche um 1925

    

Die Johanniskirche scheint äußerlich noch halbwegs intakt, aber von der Saldria sind 1961 hinter dem erkennbaren Bauzaun nur noch Ruinenreste vorhanden.

 Karte nicht gelaufen
Verlag: VEB Bild & Heimat, Reichenbach, Foto: Fischer, Meiningen

    

Die Kirche St. Nikolai

     

Die erstmals 1173 erwähnte Nikolaikirche verdient wegen ihrer Bedeutung für die Geschichte des märkischen Bachsteinbaus besondere Beachtung. Als Baubeginn für diese Kirche wird um 1170 angenommen. Sie soll die Dorfkirche des wahrscheinlich zur Havel hin gelegenen Dorfes Luckenberg vor dem Plauer Tor der Altstadt Brandenburg gewesen sein. Dieses Dorf wurde bisher archäologisch aber noch nicht nachgewiesen. Die Gemarkung des Dorfes Luckenberg kam schon in früher Zeit zur Altstadt Brandenburg, nachdem das Dorf aufgegeben war. Die Kirche hatte ihre Bedeutung verloren und verfiel. 08.03.1403 diente sie als Hinterhalt für Johann von Quitzow und Gefolge aus Plaue für seinen Überfall auf die Altstadt Brandenburg.

 Die St. Nikolaikirche hat die Form einer dreischiffigen romanischen Basilika. Auf einem zweilagigen Feldsteinsockel sind ein breites und hohes Mittel- oder Hauptschiff und die beiden niedrigeren Seiten- oder Nebenschiffe vollständig in märkischem Bachstein erbaut. Zwei Pfeilerreihen, auf denen Arkadenbogen ruhen, trennen die drei Kirchenschiffe voneinander. Das Mittelschiff ist durch den sich östlich anschließenden Chorraum verlängert. Dieser endet in einer Chornische, die als halbrunder Ausbau aus der Schlusswand des Chores heraustritt.

Die St. Nikolaikirche ist dem heiligen Nikolaus, dem Patron der Kaufmannschaft, geweiht. Diese Namensgebung legt die Vermutung nahe, dass es sich bei dem Dorf Luckenberg um eine Kaufmannssiedlung gehandelt haben könnte, wofür auch die für eine einfache Dorfkirche ungewöhnliche Größe der Kirche spricht. 

Nach dem Verfall der Kirche im 14. und 15.Jahrhundert wurde sie im Jahre 1467, finanziert von einem wohlhabenden Bürger der Altstadt, durch den Baumeister Boxthude restauriert. Der Westbau bekam einen Ausbau. Auf der starken Westmauer wurden zwei Zwillingstürmchen als Glockenhäuschen errichtet. Die Kirche erhielt einen eigenen Priester und feierte bis zur Reformation regelmäßig die Heilige Messe.

In der Folgezeit gab es verschiedene Nutzungen der Kirche: u.a. 1806 als Lazarett und Gefangenenlager durch die Franzosen und Schweden und ab 1810 als Friedhofskapelle. Anfang des 20. Jahrhunderts erfolgte eine umfangreiche Rekonstruktion, wobei die romanischen Rundbogenfenster wieder hergestellt und die in der Zwischenzeit eingebauten Grabkammern entfernt wurden. Ein Treffer mit einer Sprengbombe 1945 zerstörte Turm und Dächer. Die St. Gotthardgemeinde baute die Kirche wieder auf und nutzte sie für ihre Gemeine in der Neuendorfer Vorstadt. Da aber die Unterhaltung von zwei Kirchen durch die St. Gotthardgemeine auf Dauer nicht realisierbar war, wurde die St. Nikolaikirche 1975 ausgeräumt und fortan nicht mehr genutzt. Es begann wieder ein Verfall des Bauwerkes.

Mit einem Schenkungsvertrag vom 01.03.1992 übernahm die katholische Dreifaltigkeitskirche das Gebäude und ließ es 1992/93 einfühlsam sanieren. Am 04.12.1993 weihte Kardinal Georg Sterzinski die St. Nikolaikirche als katholische Kirche ein. Sie dient nun als Gebets- und Gedenkstätte für die Opfer ungerechter Gewalt. 

 

Die Öffnungszeiten der St. Nikolaikirche:

Freitags, Samstags, Sonntags von 15.00 - 17.00 Uhr (vom 01. Mai bis 01. Oktober)

Samstags und Sonntags von 14.00 - 16.00 Uhr (vom 01. Oktober bis 01. Mai)


Karte am 10.07.1912 gelaufen
Verlag: Carl H. Odemar, Magdeburg, Foto: unbekannt

Nikolaikirche

    

Slg: H.M.Waßerroth, Foto: unbekannt

Die St. Nikolaikirche mit Friedhof um 1925

       

Slg: H.M.Waßerroth, Foto: unbekannt

Die Apsis der St. Nikolaikirche um 1925

     

Slg: H.M.Waßerroth, Foto: unbekannt

Das Innere der St. Nikolaikirche, deutlich zu erkennen die Pfeiler zu den Seitenschiffen, um 1925

         

Original aus: Wikimedia Commons

Die St. Nikolaikirche heute, Aufnahme: © Gregor Rom, 18.06.2015

        

Die Wallfahrtskirche St. Marien

     

Auf dem Harlunger Berg, heute besser bekannt als Marienberg, stand bis zum Jahre 1722 die Marienkirche. Ihr verdankt unser Marienberg seinen nach heutigem Sprachgebrauch verwendeten Namen. Schon die Germanen huldigten auf dem Berg der höchsten Göttin des nordischen Pantheons Frigga. Mit der Völkerwanderung siedelten die Slawen in unserer Gegend und errichteten einen wendischen Tempel der slawischen dreiköpfigen Gottheit  Triglaw (Triglaf). Unter dem dem Christentum beigetretenen Wendenfürst Pribislav-Heinrich wurde an Stelle des Tempels vor 1166 eine einfache Kirche erbaut. Ab etwa 1220-40 entstand dann ein aufwändiger, weithin sichtbarer neuer Kirchenbau, ein Hauptwerk der Spätromanik in der Mark. Den Grundriss des viertürmigen Zentralbaues aus Backstein bildete ein griechisches Kreuz, dessen Arme halbrunde Abschlüsse hatten. In den einspringenden Ecken des Kreuzes standen die vier Türme. Mehrere Treppen führten zu den umlaufenden Emporen, durch die der östliche Teil der Kirche zweigeschossig wurde. Die Kirche war in ganz Deutschland als Wallfahrtskirche berühmt und wurde wegen ihres wundertätigen Marienbildes viel besucht. Kurfürst Friedrich I. gründete im Jahre 1435 neben der Kirche ein Prämonstratenserkloster. Unter Kurfürst Friedrich II. wurde die Kirche der Mittelpunkt des von ihm 1440 gestifteten Schwanenordens, für den er 1443 einen gotischen Anbau nach Westen zu als Ordenskapelle (Leonhardskapelle) errichtete. Mit der Reformation wurde das Kloster geschlossen und der Schwanenorden verlor an Bedeutung, Kirche und Kloster verödeten. Es folgten Plünderungen und die Gemäuer boten Unterschlupf für zwielichtige Gestalten. Von hier holte sich die Brandenburger Bevölkerung Steine als billiges Baumaterial. Gegen Ende des 16. Jahrhunderts stürzte das Dach der Kirche ein. Im Jahre 1722 ließ König Friedrich Wilhelm I. die Kirche abbrechen, um billig Steine für den Bau des Potsdamer Militärwaisenhauses zu gewinnen. Den Annlass, ein angeblicher Schatz unter der Kirche, soll ein Oberst von Pini, Chef des in Brandenburg stationierten preußischen Infanterie-Regimentes Nr. 1, gegeben haben. Der Abbruch begann am 20.04.1722 und Ironie des Schicksals: der Schatz wurde nicht gefunfen und der Wert des gewonnenen Baumaterials überstieg die Transportkosten. Oberst Ewald Wedig von Massow, Nachfolger von Oberst Pini, soll für sein repräsentatives Stadthaus (Frey-Haus, heutiges Stadtmuseum) und für seinen der Altstadt vorgelagerten Landsitz, der Massowburg am Beetzsee, ebenfalls Steine vom Abriss erhalten haben.  

 

Slg: H.M.Waßerroth, Foto: unbekannt

Die Marienkirche vor ihrem Abriss 1722

        

Die St. Jakobskapelle

     

Die kleine Jakobskapelle wurde um das Jahr 1320 erbaut. Ihr 15,70 Meter hoher Turm wurde erst etwa 1350 an den kleinen rechteckigen angebaut. Erstmals urkundlich erwähnt hat man die Kapelle 1349 als "Kapelle des heiligen Jakobus außerhalb der Mauern bei den Kranken". An ihr führte die Heerstraße als bedeutender Ost-West-Fernhandelsweg vorbei. Traditionell wurden an Fernrouten Hospitäler mit Kapellen vor den Stadttoren angesiedelt, um kranke Reisende zu versorgen und eventuelle Epidemien in den Städten zu verhindern. Meist weihte man diese Kapellen Heiligen wie St. Jakob als Schutzpatron der Pilger und Reisenden. Das Innere der Kapelle trägt ein schlichtes Tonnengewölbe und nur zwei Fenster, in Giebel- und Turmwand, lassen Licht herein. Unter dem Turm befindet sich eine Eintiefung mit gotischem Bogen, deren Eingangstür aber vermauert ist.

Im Jahre 1892 musste die Jakobskapelle den zunehmenden Verkehr in der Jakobstraße im Zuge einer Straßenverbreiterung weichen. Aus diesem Grund musste sie in einem Stück um 11 Meter nach Westen verschoben werden, was ihr den Namen "verrückte" Kapelle einbrachte. Eine Gedenktafel an der Giebelwand erinnert an diese ingenieurtechnische Meisterleistung.

 

Foto: unbekannt

St. Jakob während der Verrückung 1892, deshalb der Name "Verrückte Kapelle"

   

Slg: H.M.Waßerroth, Foto: unbekannt

Die Jakobskapelle von der Jakobstraße gesehen, deutlich zu erkennen die Gedenktafel, um 1925

     

Original aus: Wikimedia Commons

Das Innere der St. Jakobskapelle heute, Aufnahme: © Gregor Rom, 02.07.2015   

 

 

 

Teil 2 - Die neueren Kirchen in Brandenburg an der Havel und die Kirchen in den Eingemeindungen in alten und neuen Ansichten - ist in Vorbereitung

 


aus verschiedenen Quellen

zusammengefasst, bearbeitet und ergänzt von H. M. Waßerroth

CC BY-NC-ND 3.0 de  

Vers. 1.1.0. vom 13.11.2016


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© Harumi Michelle Waßerroth