Die Stadt Brandenburg an der Havel

- Brandenburg Nord -

    

Blick über den Werner-Seelenbinder-Sportplatz nach Brandenburg Nord bis etwa zur Kurt-Rödel-Str. (heute Barnimstraße) auf einer Ansichtskarte von 1971, in der linken Bildhälfte zwischen den Hochhäusern sind die Speichergebäude der VEAB nördlich des Silokanals zu erkennen, Slg. H. M. Waßerroth

Verlag: unbekannt, Foto: unbekannt

         

Die Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg waren anfangs geprägt vom Aufräumen und Enttrümmern der Stadt. Wohnungsbau beschränkte sich in den Folgejahren auf die Wiederherstellung zerstörter Wohnungen und Schließen von entstandenen Baulücken. Im Bereich St.-Annen-Str. waren ganze Straßenzüge Opfer der Kämpfe in den letzten Kriegstagen geworden. Umfangreiche Neubauten in Stadtrandlage standen vorerst nicht auf der Tagesordnung.

Im Dezember 1949 beschloss der Ministerrat der gerade erst gegründeten DDR den Aufbau eines großen Stahlwerkes auf dem Gelände des demontierten Flickschen Stahlwerkes zwischen Silokanal, Städtebahn und Magdeburger Straße. Dieses entstehende Werk zog immer mehr Beschäftigten nach Brandenburg. Die erste Arbeiterwohnungsbaugesellschaft wurde 1954 gegründet. In deren Folge begann der Bau der ersten Reihenhäuser für die Arbeiter des Stahlwerkes am Neuendorfer Sand.

Die immer mehr fortschreitende industrielle Entwicklung Brandenburgs verlangte mehr Wohnraum als zur Verfügung stand. Deshalb fiel der Entschluss, einen ganzen neuen Stadtteil nördlich des Marienberges bis zum Silokanal, beginnend an der Brielower Straße auf baulich unerschlossenen Ackerflächen und Kleingärten anzulegen. Die Grundsteinlegung für diesen, "Brandenburg Nord" genannten Stadtteil, fand am 21. Juli 1959 an der Brielower Straße statt. Aber erst am 19.04.1961 wurde durch den Rat der Stadt Brandenburg der eigentliche Bebauungsplan beschlossen. Zunächst sah die Planung 3400 Wohnungen für ca. 11900 Menschen, gegliedert in 3 Wohnungskomplexe, vor. Jeder Wohnungskomplex sollte als gesellschaftlichen Mittelpunkt ein Wohnkomplexzentum mit Gaststätte, Kinderkrippe und -garten sowie Kaufhalle erhalten.

Vom Bezirksbüro für Städtebau in Potsdam wurden genormte Wohnhaustypen mit vereinheitlichten Grundrissen entworfen. Dies war die Grundlage für ein industrielles Wohnungsbauprogramm mit standardisierten Bauelementen.

Im Zusammenhang mit dem geplanten Neubaugebiet wurde in der Brielower Straße beginnend an der Einmündung Gerostraße um 1960 die mit Natursteinen gepflasterte Fahrbahn durch eine Fahrbahn aus Beton ersetzt. Zwischen Willi-Sänger-Str. bzw. Fohrder Straße und Gerostraße blieb das Feldsteinpflaster erhalten. Erst später wurde hier eine Asphaltschicht drüber gezogen. Selbst die am westlichen Straßenrand vor dem Eckhaus zur Willi-Sänger-Str. bzw. Fohrder Straße liegende und immer noch vorhandene ehemalige nur bis Ende 1914 genutzte Endhaltestelle der Straßenbahn mit Ausweiche vom Frühjahr 1911 wurde nur übergeteert. Bis nach der Wende waren die alten Straßenbahngleise bei Straßenschäden in diesem Bereich noch gut zu erkennen.

Der erste Wohnblock entstand direkt neben dem Eingang zum Sportplatz in der Brielower Straße. Er trägt in seinen Grundmauern auch die Stahlkassette mit der Urkunde der Grundsteinlegung für das neue Wohngebiet. Zunächst wurden Wohnblöcke in der sogenannten Großblockbauweise errichtet. Bei der Großblockbauweise waren die Wände aus ca. 1 m2 großen Blöcken aus Beton gebaut worden. Nach Fertigstellung des Rohbaus mussten diese Wände noch innen und außen verputzt werden. Die standardisierten Wohnungen hatten einen Flur, ein eigenes Bad mit Toilette und Badewanne, was bei den "Altbauten" nur selten vorhanden war, und einen Balkon. Alle Wohnungen waren aber je nach Raumanzahl mit ca. 50 bzw. knapp 60 m2 recht klein, was immer wieder kritisiert wurde.

     

Brielower Straße, so wie sie bis zum Ausbau nach der Wende bestanden hatte, Slg. H. M. Waßerroth

 Verlag: unbekannt, Foto: unbekannt

        

Entlang der Brielower Straße entstanden die ersten Wohnblocks praktisch als Probelauf. Im Vorfeld gab es teils harte Auseinandersetzungen, um eine Baufreiheit zu schaffen. Ackerbauern und Kleingärtner mussten überzeugt werden, ihre angestammten Flächen herzugeben. Auch gab es mit dem Baugrund immer wieder Probleme. Weite Flächen waren einst tiefliegendes Wiesenland und außerdem kreuzte der ursprünglich künstlich angelegte und mit Bau des Silokanals wieder zugeschüttete Silograben das Gelände des künftigen Wohngebietes, was Grundwasserabsenkungen öfter notwendig machte.

   

Blick vom damaligen Kindergarten, heute befindet sich hier die Musikschule, durch die Guts-Muths-Str Richtung Brielower Straße auf einer am 11.06.1966 gelaufenen Ansichtskarte, Slg. H. M. Waßerroth

  Verlag: Graphokopie H. Sander, Berlin, Foto: unbekannt

      

Ausgehend von der Brielower Str. mit Kurt-Wabbel-Str. und Guts-Muths-Str. entstanden dann nach Westen fortschreitend die neuen Wohnbauten in Großblockbauweise. Das elfgeschossige markante Hochhaus an der Brielower Str. Ecke Ernst-Grube-Str. (heute Prignitzstr.) wurde allerdings noch auf herkömmliche Weise "Stein auf Stein" in Ziegelbauweise erbaut. Um die zunehmend in westlicher Richtung errichteten Wohnblocks zu erreichen, führten bald von der Brielower Str. die Werner-Seelenbinder-Str. und die Ernst-Grube-Str. (heute Prignitzstr.) in das entstehende Neubaugebiet.

    

Brielower Straße mit Hochhaus auf einer Ansichtskarte von 1966, Slg. H. M. Waßerroth

  Verlag: unbekannt, Foto: unbekannt

      

Brielower Straße, Einmündung Werner-Seelenbinder-Str. mit dem ersten "Wohnkomplexzentrum" auf einer Ansichtskarte aus den 1970er Jahren, Slg. H. M. Waßerroth

  Verlag: VEB Bild und Heimat, Reichenbach, Foto: Kampmann, Berlin

      

Werner-Seelenbinder-Str. Bushaltestelle "Rendezvous" auf einer Ansichtskarte von 1970,

Blick Richtung Hochhaus Kurt-Rödel-Str. (heute Barnimstr.) Slg. H. M. Waßerroth

  Verlag: unbekannt, Foto: unbekannt

      

Bevorzugt erhielten die Beschäftigten des Stahl- und Walzwerkes Brandenburg die sehr begehrten Wohnungen, aber auch Ottonormalverbraucher konnte sich für eine Neubauwohnung in die Wartelisten eintragen lassen und bekam dann, wenn er dran war, eine Wohnung.

Vornehmlich entstanden 2- und 3-Raum Wohnungen. Nur wer leibhaftig ein Kind "vorweisen" konnte, bekam eine Wohnung mit Kinderzimmer. Wer "nur" in freudiger Erwartung war, dem stand noch keine Wohnung mit Kinderzimmer zu. Für größere Familien wurden später auch Wohnungen mit 2 Kinderzimmer gebaut.

     

Werner-Seelenbinder-Str. Höhe Einmündung Ernst-Grube-Str. (heute Prignitzstr.) auf einer Ansichtskarte von 1969,

Slg. H. M. Waßerroth

 Verlag: Graphokopie H. Sander KG, Berlin, Foto: unbekannt

     

Ernst-Grube-Str. (heute Prignitzstr.) Höhe Bertold-Brecht-Oberschule (heute Bertold-Brecht-Gymnasium) Blickrichtung Brielower Str. auf einer Ansichtskarte von 1969, Slg. H. M. Waßerroth

  Verlag: unbekannt, Foto: unbekannt

      

Alle Wohngebäude sind unterkellert worden. Um aber den aufwändigen und teuren Bau einer Wanne zum Schutz der Kellerräume vor eindringendem Grundwasser zu sparen, hat man nur flache Baugruben für die Streifenfundamente ausgehoben und die Wohnblöcke nach Entfernen der Humusschicht praktisch auf das Gelände drauf gesetzt. Das Gelände zwischen den Wohnblocks wurde nach Abschluss der Bauarbeiten meist auf Eingangshöhe aufgeschüttet. Noch heute zeugen vereinzelt die Vertiefungen zwischen den Wohnblocks wie in der Flämingstraße (damals Alfred-Rosch-Str.), Zauchestraße (damals Albert-Richter-Str.) und an der Erich-Knauf-Straße (damals Arthur-Weineck-Str. bzw. davor Fohrder Straße) von der eigentlichen Geländehöhe.

1964 war der Wohnungsbau bis zur Höhe Alfred-Rosch-Str. (heute Flämingstr.) vorangeschritten. Die Flächen beiderseits der August-Schärtner-Str. (heute Emsterstraße) bis zur W.-Seelenbinder-Straße wurden vorerst ausgelassen und blieben eine Brache. Noch Ende der 1960er Jahre waren auf der Fläche zwischen A.-Schärtner-Str. und W.-Seelenbinder-Str. Spargelpflanzen eines ehemals vor der Bebauung bestandenen Spargelfeldes zu beobachten.

Ab der Alfred-Rosch-Str. (heute Flämingstr.) und auf gleicher Höhe W.-Seelenbinder-Str., bis hier her hatten bisher die Wohnungen Ofenheizungen, wurden alle neuentstehenden Gebäude an das 1964 am Ende der zukünftigen Albert-Richter-Str. (heute Zauchestr.) gebaute Heizkraftwerk angeschlossen. Dieses Werk ging mit der Heizperiode 1964/65 in Betrieb. Es verfügte für die Heißwasserversorgung über 4 umgebaute altbrauchbare Lokomotivkessel von ehemaligen Dampfloks der Baureihe 52 der Deutschen Reichsbahn. Gefeuert wurde mit Braunkohlenbriketts, zeitweise ist aber auch mit Rohbraunkohle zugefeuert worden.

Dieses als vorübergehendes Provisorium für 3 Jahre gedachte Heizkraftwerk sollte nach Errichtung weiterer Heizkraftwerke im Industriegebiet Hohenstücken nördlich des Silokanals wieder abgerissen werden. Realisiert worden ist die Verbundleitung zwischen Brandenburg Nord und Hohenstücken nach Neubau der im Krieg zerstörten Roskower Eisenbahnbrücke. Bis zum Abriss des Provisoriums sollte es aber noch viele Jahre dauern. Um 1970 mussten sogar noch hinter dem Kesselhaus zwei weitere Dampflokkessel zur Unterstützung der Fernwärmeversorgung bei Versorgungsengpässen in einem weiteren Provisorium aufgestellt werden.

Die Albert-Richter-Str. (heute Zauchestr.) folgt in etwa dem Lauf der ehemaligen Fohrder Straße. Die teilweise noch vorhandene Pappelreihe am ehemaligen Heizwerk entlang bis zur Johannes-Zoschke-Str. (heute Rhinweg) zeugt noch von dieser Straße. Bis zum Bau der Kindereinrichtungen in diesem Bereich waren auf deren heutigem Gelände Fahrbahnpflasterungen der alten Fohrder Straße aus Feldsteinen unter Wildwuchs vorhanden.

Mit den Wohnblocks in der Albert-Richter-Straße (heute Zauchestr.), Hertha-Lindner-Straße (heute Ruppinstr.) und Georg-Schilling-Straße (heute Pater-Grimm-Str.) ging man von der Großblockbauweise zur Plattenbauweise über. Diese Elemente waren größer als die bisher verwendeten Betonblöcke und gestatteten somit einen noch schnelleren Baufortschritt. Die Platten hatten die Größe einer gesamten Zimmerwand und brauchten auch nicht mehr verputzt zu werden. Wie bei allen bisherigen Bauten hatten auch diese Wohnblöcke ein Steildach als Sattel-/Giebeldach mit Ziegeleindeckung. Die darunter befindlichen Dachböden waren nicht unterteilt, waren also von Giebel zu Giebel durchgängig und offen. Sie dienten den Mietern als Trockenboden.

     

Blick von der Konsum Kaufhalle Nord, Herta-Lindner-Str. (heute Ruppinstr.) Richtung Hochhaus Kurt-Rödel-Str. (heute Barnimstr.), in der Mitte und links die Wohnblöcke der Albert-Richter-Str. (heute Zauchestr.),auf einer Ansichtskarte von 1973, Slg. H. M. Waßerroth

Verlag: unbekannt, Foto: unbekannt 

 

Der Wohnungsbau in Brandenburg Nord hatte Vorrang und schritt derart schnell voran, so dass das Umfeld nur sehr schleppend nach kam. Die Mieter erreichten ihre neuen Wohnungen meist Monate lang nur über unbefestigte Sandwege und Bretterstege zu den Hauseingängen. Auch die Versorgung mit lebenswichtigen Lebensmitteln erfolgte lange Zeit nur über primitive Behelfe.

     

Hochhaus Brielower Straße mit erstem "Wohnkomplexzentrum" auf einer Ansichtskarte von 1968, Slg. H. M. Waßerroth

   Verlag: VEB Bild und Heimat, Reichenbach, Foto: Darr

      

An der Brielower Str. entstand das erste Wohnkomplexzentrum mit Einkaufsmöglichkeiten und der Gaststätte "Rendezvous". Die nächste Einkaufsmöglichkeit wurde dann an der Kurt-Rödel-Str. (heute Barnimstr.) in eiligst aufgestellten primitiven Baracken eingerichtet. Hier war vorrübergehend auch die provisorische Wendestelle für die in das neue Wohngebiet führenden Buslinien.

1966 konnte endlich eine neue, von der Konsum-Genossenschaft geführte Kaufhalle in der Hertha-Lindner-Straße  (heute Ruppinstr.) fertiggestellt und eingeweiht werden. Mit der Fertigstellung der Fahrbahnen der Straßen in diesem Bereich endeten hier nun auch die damaligen Buslinien A 6 von Neuendorf und A8 von der Thomas-Müntzer-Straße (heute Ferdinand-Lasalle-Str.) bzw. Altstadt Bahnhof. Auch der A 9 vom Klingenberg hielt hier, wie der A 11 vom Buchenweg. Obwohl man immer noch an vielen Stellen durch Sandwüsten stapfen musste, änderten sich die Verhältnisse maßgeblich.

    

Konsum Kaufhalle Nord, Herta-Lindner-Str. (heute Ruppinstr.), auf einer Ansichtskarte von 1969, Slg. H. M. Waßerroth

Verlag: VEB Bild und Heimat, Reichenbach i.V., Foto: Kampmann, Berlin

    

Innenansicht der Konsum Kaufhalle Nord, Herta-Lindner-Str. (heute Ruppinstr.), Getränkeabteilung 1960er Jahre,

 Quelle: OstCola, Foto: unbekannt / nicht angegeben

 

Nach Brandenburg Nord zogen vornehmlich junge Familien. Aber der Bau von entsprechenden Einrichtungen für die Kinder hinkte dem rasch voranschreitenden Wohnungsbau ebenfalls immer hinterher. Für den ersten Wohnkomplex entstand dann, eingerahmt von den Wohnblocks der Werner-Seelenbinder-Str. und Ernst-Grube-Str. (heute Prignitzstr.), eine sogenannte Kinderkombination aus Kinderkrippe und Kindergarten und ebenfalls in der Ernst-Grube-Str., an der Biegung Richtung Werner-Seelenbinder-Str., die Bertold-Brecht-Oberschule, heute Brecht-Gymnasium.

   

Die Bertold-Brecht-Oberschule, dahinter eine der Wohnscheiben der August-Schärtner-Str. (heute Emsterstr.),

Ausschnitt aus einer Mehrbildkarte von 1975, Slg. H. M. Waßerroth

Verlag: VEB Bild und Heimat, Reichenbach i.V., Foto: Parrhysius, Kleinmachnow

     

Diese Schule öffnete mit Schuljahresbeginn im September 1964 ihre Tore. Schon wenige Jahre später stieß sie aber an ihre Leistungsgrenze, weshalb die Schüler, die im Einzugsbereich der noch nicht fertiggestellten Fritz-Weineck-Schule wohnten, kurzer Hand mit Beginn des Schuljahres 1966/67 ausquartiert wurden. Sie mussten vorübergehend in der Karl-Liebknecht-Oberschule (heute Luckenberger Schule) mit unterrichtet werden. Um den Schulbetrieb möglichst wenig zu belasten, wurden große Klassen mit ca. 40 Schülern gebildet. Mit dem Ende der Weihnachtsferien im Januar 1967 begann dann der Schulbetrieb in der neuen Fritz-Weineck-Oberschule (heute Konrad-Sprengel-Schule) am Nordwesthang des Marienberges. Hier waren dann wieder akzeptable Klassenstärken möglich. In den Folgejahren kam aber auch diese Schule an ihre Leistungsgrenze. Bis zu 11 Erste Klassen mussten unterrichtet werden. Der Stundenplan bekam Formen von Schichtarbeit ˗ vormittags die Klassen der Unterstufe, ab mittags die der Oberstufe. Durch ein neues, barackenähnliches Nebengebäude, in dem auch für den Hort vernünftige Räume zur Verfügung standen, wurde dann die angespannte Lage entschärft. Die Anlage eines Sportplatzes und der Bau einer Sporthalle für den Schulsport sollte aber noch bis 1970 dauern. Heute wird die Sporthalle nicht mehr genutzt und macht auch einen traurigen Eindruck. Sie soll nun abgerissen werden.

Ebenfalls 1970 wurde die Doppelschule Hans-Beimler Oberschule und Heinrich-Rau-Oberschule im Winkel zwischen Brielower Straße und Willi-Sänger-Straße unterhalb der Einmündung Bergstraße eröffnet. Sie trug entscheidend zu Entspannung der Schulsituation in Brandenburg Nord bei. Die Hans-Beimler-Schule wurde später als Pionierhaus genutzt und nach der Wende abgerissen. Die Heinrich-Rau-Schule ist heute die Oberschule Brandenburg Nord.

    

Polytechnische Oberschule "Fritz Weineck" (heute Konrad-Sprengel-Schule 1970, Slg. H. M. Waßerroth

  Verlag: Handabzug, Foto: unbekannt

     

Nach und nach wurde die Eintönigkeit der nahezu gleich aussehenden Wohnblocks durch die Errichtung weiterer Kinderkombinationen aufgelockert. In der August-Schärtner-Str. (heute Emsterstraße) entstanden Anfang der zweiten Hälfte der 1960er Jahre nacheinander 3 achtgeschossige Wohnblocks, Scheibenhochhäuser genannt. Diese Häuser waren reine Plattenbauten und verfügten je Eingang über einen Fahrstuhl. Zur Wärmeversorgung sind sie wie alle ab Mitte 1964 errichtete Neubauten an die Fernwärmeversorgung vom Heizwerk Albert-Richter-Straße (heute Zauchestr.) angeschlossen worden.

    

August-Schärtner-Str. (heute Emsterstr.) von der Einmündung Ernst-Grube-Str. (heute Prignitzstr.) in die Werner-Seelenbinder-Str. gesehen, auf einer Ansichtskarte um 1970, Slg. H. M. Waßerroth

     Verlag: VEB Bild und Heimat, Reichenbach, Foto: Kampmann, Berlin

    

Blick aus einem Wohnblock der Alfred-Rosch-Str. (heute Flämingstr.) zu Wohnblocks der Kurt- Rödel-Str. (heute Barnimstr.) und dahinter den Scheibenhochhäusern in der August-Schärtner-Str. (heute Emsterstr.) 30.05.1973, © H. M. Waßerroth

  

Blickrichtung genau entgegengesetzt vom Balkon eines Wohnblocks der Alfred-Rosch-Str. (heute Flämingstr.), im Vordergrund die Alfred-Rosch-Str. mit einem üblichen Garagenhäuschen für Motorräder und Mopeds, daneben die BOBR-Müllcontainer für den Wohnblock, auf der Werner-Seelenbinder-Str. fährt ein Linienbus zur Endhaltestelle Herta-Lindner-Str. (heute Ruppinstr.),

Aufnahme November 1985, es hat gerade zu schneien begonnen, © H. M. Waßerroth

     

Blick die Werner-Seelenbinder-Str. entlang zum im Bau befindlichen Punkthochhaus in der Paul-Greifzu-Str. (heute Freiherr-v.-Thüngen-Str.)

    Quelle: OstCola, Foto: Andreas Essub

     

Werner-Seelenbinder-Str. mit Punkthochhaus von der Einmündung Paul-Greifzu-Str. (heute Freiherr-v.-Thüngen-Str.) gesehen vor 1971, auf einer 1975 gelaufenen Ansichtskarte, Slg. H. M. Waßerroth

    Verlag: unbekannt, Foto: unbekannt

        

Auch die sogenannten Punkthochhäuser mit 11 Geschossen an der Kurt-Rödel-Str. (heute Barnimstr.) und in der Georg-Schilling-Straße (heute Pater-Grimm-Str.) lockerten das Gesamtbild des Wohngebietes auf. Ab 1971 wurde dann die Brache zwischen August-Schärtner-Str. (heute Emsterstraße) und W.-Seelenbinder-Straße bebaut. Hier entstanden, noch in Großblockbauweise, zwei fünfgeschossige Wohnblocks längs der August-Schärtner-Str. (heute Emsterstraße).Anschließend wurde das zweite Wohnkomplexzentrum auf der restlichen Fläche zwischen diesen beiden neuen Wohnblocks und der Werner-Seelenbinder-Str., bestehend aus einer Kaufhalle und einem Wirtschaftstrakt mit Sparkasse, Post, Friseur, Blumenladen, Reinigung, Café u.a., gebaut. Besonders das Café "Bijou" erfreute sich großer Beliebtheit. Wer hier einen Tisch ohne Voranmeldung ergatterte, konnte sich glücklich schätzen.

      

Blick von der noch unbebauten Anhöhe unterhalb der damaligen Fritz-Weineck-Schule auf die Werner-Seelenbinder-Straße, um 1978, Slg. H. M. Waßerroth

     Verlag: VEB Bild und Heimat, Reichenbach, Foto: unbekannt

      

Mit Anlage und Bebauung der Herrmann-Tops-Straße (heute Kreyssigstr.) und Venise-Gosnat-Straße, hier entstanden nur noch fünfgeschossige Wohnblocks mit Flachdach in Großblockbauweise und ohne Fahrstuhl, überschritt Brandenburg Nord seine projektierte Ausdehnung und Größe. Letztendlich erreichte der Stadtteil zum Ende des Jahres 1973 eine Größe von 5256 Wohnungen für etwa 16400 Einwohner und reichte von der Anhöhe des Gallberges ab Einschnitt der heutigen Hafenbahn (bis 1945 Strecke von Brandenburg Altstadt nach Roskow der Westhavelländischen Kreisbahn) entlang der August-Bebel-Straße bis zu den Ausläufern des Marienberges unterhalb der Konrad-Sprengel Straße. Einige Jahre später folgten noch Wohnhäuser in Plattenbauweise mit 6 Geschossen und ohne Fahrstuhl an der Willy-Sänger-Straße auf der Freifläche unterhalb der Weineck Schule und etwa in Höhe des Weinmeister Weges.

Brandenburg Nord verfügte mit Abschluss des Bauprogramms über 3 Kaufhallen, ein Dienstleistungstrakt, ein Ambulatorium, 3 bzw. 4 Schulen, 4 Kindereinrichtungen und 2 Gaststätten. Geplant waren noch ein Kaufhaus, ein Kino und ein weiteres Café, dazu kam es aber nicht mehr.

   

Blick die Werner-Seelenbinder-Str. entlang von der Einmündung der Johannis-Zoschke-Str. (heute Rhinweg.) wo sich heute der Kreisverkehr befindet 16.11.1978, © H. M. Waßerroth

     

Nahverkehrlich wird der Stadtteil auch heute noch mit Buslinien erschlossen. Ursprünglich ist eine Erschließung durch eine Straßenbahntrasse geplant gewesen. Sie sollte von der Plauer Straße durch den Wall zur Brielower Straße und weiter durch die Werner-Seelenbinder-Straße bis zur August-Bebel-Straße führen. Bestehende Materialengpässe und Kapazitätsprobleme für die Ausführung, wie auch das Vorhaben der Stadtoberen, die Straßenbahn ganz abzuschaffen, verhinderten das Vorhaben. Die Straßenbahngleise plante man in der Brielower Straße für den vierspurigen Neubau auf dem Mittelstreifen und in der Werner-Seelenbinder-Str. auf der nördlichen Seite, weshalb der bestehende Grünstreifen angelegt und freigehalten wurde.

Ab 1972 wechselten dann die Gewerke für den Wohnungsneubau nach und nach von südlich des Silokanals auf die Nordseite zum Aufbau des Neubaugebietes Hohenstücken, beginnend zwischen der neuen Gördenbrücke und dem schon bestehenden Stadtteil Görden.

Brandenburg Nord, durch die damalige Tristigkeit verpönt gewesen, hat heute als Wohngebiet einen hohen Stellenwert und ist bei der Bevölkerung beliebt. Dazu beigetragen haben die nicht unerheblichen Investitionen der Wohnungsbaugenossenschaft WBG und der WOBRA für die Sanierung. Auch der hohe Anteil an Grünflächen ist ein entscheidender Aspekt für die Lebensqualität in diesem Stadtteil.

     

Blick über die Konsum Kaufhalle Brandenburg Nord zu den Wohnblocks in der Herta-Lindner-Straße (heute Ruppinstraße) Aufnahme: 24.11.1969

© Zentralbild Haselhoff, Slg. H. M. Waßerroth

 

 

aus verschiedenen Quellen

bearbeitet und ergänzt von H. M. Waßerroth

CC BY-NC-ND 3.0 de

vers. 3.4.0. vom 15.10.2017

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© Harumi Michelle Waßerroth