Die Ziegeleien in und um Brandenburg an der Havel

Mit Ton und Lehm wird schon seit Jahrtausenden gebaut und gearbeitet. Ton und Lehm wurden gleichzeitig als Putz- und Mauermörtel verwendet. Lehmziegel sind der älteste von Menschen geschaffene Baustoff. Dabei wurde das Material zunächst nicht gebrannt, sondern nur getrocknet. Wann und wo es zur Entdeckung kam, dass gebrannter Ton wesentlich haltbarer ist, lässt sich heute nicht mehr nachvollziehen. Vermutlich wurde diese Entdeckung auf mehreren Kontinenten unabhängig voneinander gemacht.
Die Herstellung der Ziegel blieb über Jahrtausende hin gleich: Von Hand gestrichen, wurden sie in periodisch brennenden Öfen gebrannt.

Übrigens leitet sich vom römischen Begriff „tegula“ unser Wort „Ziegel“ ab.

Bis ins letzte Jahrhundert gab es rings um Brandenburg und unmittelbar im heutigen Stadtgebiet zahlreiche Ziegeleien. Die großen diluvialen Tonvorkommen boten eine ausgezeichnete Grundlage für diese Betriebe. Diluviale Tone finden sich in unserer Gegend vornehmlich als Beckentone, die als Ablagerungen der Gletschertrübe vor dem Eisrand in Stauseen entstanden sind. Sie lagern beiderseits der Havel in den Niederungen und im Bereich der Hochflächen.

    

Kartenausschnitt eines Messtischblattes von Päwesin von 1916 mit immerhin 11 Ziegeleien, Slg. H. M. Waßerroth

  

Eine Reformierung der Ziegelindustrie erfolgte Mitte des 19. Jahrhunderts. Der deutsche Baurat Friedrich Eduard Hoffmann (* 18.10.1818 in Gröningen; † 03.12.1900 in Berlin) meldete am 28.05.1858 in Preußen das Patent „Erfindung eines ringförmigen Ofens zum ununterbrochenen Betriebe beim Brennen aller Arten von Ziegeln und Tonwaren, Kalk, Gips und dergleichen“. an.

Der von Hoffmann erfundene Ofen ermöglichte es zum ersten Mal in der Geschichte, größere Mengen von Ziegeln kontinuierlich bei erheblicher Energieersparnis zu brennen. Die Geschichte des Ringofens ist eine Erfolgsstory, die Ihresgleichen sucht, da erst durch diese Erfindung das benötigte Baumaterial für die rasant wachsende Bevölkerung und die zunehmende Industrialisierung in Deutschland und weltweit zur Verfügung stand.

Das Verfahrensprinzip ist sehr einfach; ein kontinuierlicher Brennbetrieb in einem in sich geschlossenen Brennkanal mit Befeuerung von oben durch die Ofendecke. Der stehende Besatz mit umlaufendem Feuer zeichnete den Ringofen aus.

Gebrannt wird i.d.R. bei Temperaturen von 900 - 1000°C. Bei zu hohen Temperaturen fängt das Material an zu schmelzen und verformt sich bei abnehmender Festigkeit. In vielen Dörfern unserer Gegend findet man noch heute auf gemauerten Zaunpfählen oder Mauern zur Umzäunung aus in hiesigen Ziegeleien gefertigten Ziegeln verschmolzene Ziegelklumpen zur Verzierung. Sie haben dann meist grünliche Farben.

   

So sieht ein Ziegelklumpen dann zum Beispiel aus

     

Hoffmannsche Ringöfen sind z. B. in Glindow (von 1868), Ziegeleipark Mildenberg, Wiesenburg-Reetz, Ziegelei Lage und Westeregeln (von 1894) erhalten. Seit 2000 gibt es im Ziegeleipark Mildenberg im 1897 errichteten Ringofen III eine Hoffmann-Ausstellung.

 

Ringofen nach F. E. Hoffmann im Ziegeleimuseum Mildenberg im Juni 2006, © Schlesinger, www.wikimedia.org

 

Eine Vielzahl von Ziegeleien brannten so bereits im 19. Jahrhundert Steine; die großen Ringöfen ermöglichten einen ergiebigen Betrieb. Auf der Havel, auf dem Beetzsee und dem Emster-Kanal ließen sich die Ziegel billig verfrachten. Rund 100 Ziegeleien waren gegen Ende des 19. Jahrhunderts im Havelgebiet in Betrieb: vom Plauer See bis Pritzerbe 21, am Beetzsee bis zum Riewender See 22, an der Mittelhavel zwischen Potsdam und Brandenburg 40, um Lehnin 9 und westlich von Ketzin in einer Havelbucht 13.

       

Verlag: unbekannt, Foto: unbekannt

Eine der Ziegeleien in Plaue auf einer am 16.01.1911 gelaufenen Postkarte, Slg. H. M. Waßerroth

  

Große Mengen der Steine transportierten die Ziegeleien einst nach Berlin. Sie dienten dem weiteren Aufbau der aufstrebenden Stadt.

Heute erinnern die zahllosen Tonlöcher an diese einst so starke Industrie. Das Gebiet rings um Krahnepuhl und Briest, im Raum Lehnin / Rädel, am Beetzsee, um Ketzin und Klein Kreuz werden davon charakterisiert. Vielfach zeichnen sich diese Tonlöcher heute durch einen guten Fischbestand aus. Meist sind diese Gewässer Verbandsgewässer des Landesanglerverbandes Brandenburg e.V. oder werden von ihm betreut. Wer hier angeln möchte, sollte sich im Vorfeld mit den Bestimmungen vertraut machen. 

 

Ton - Ausgangsstoff für die Ziegelherstellung

Tone sind Sedimente mit hohen Gehalten der Korngröße < 2 μm (0,002 mm). Darin dominieren die meist blättchenförmigen Tonminerale, die den Tonen die Plastizität verleihen. Daneben treten auch Quarz, Feldspäte, Glimmer und andere Minerale auf (z.B. Calcit, Pyrit, Eisenoxide...). Die Qualität des Ausgangsrohstoffes für die Ziegelindustrie kann stark schwanken. In den seltensten Fällen handelt es sich wirklich um „reinen Ton“, wenn in der Ziegelverarbeitung von diesem Rohstoff die Rede ist.

Zur Unterscheidung: Lehm dagegen ist eine Mischung aus Sand (Korngröße > 63 µm), Schluff (Korngröße > 2 µm) und Ton (Korngröße < 2 µm). Er entsteht entweder durch Verwitterung aus Fest- oder Lockergesteinen oder durch die unsortierte Ablagerung der genannten Bestandteile. Lehm ist nicht so plastisch und wasserundurchlässig wie reiner Ton, weil die Korngröße der Bestandteile Sand und Schluff größer ist.

  

File:Clay-ss-2005.jpg

aus Wikipedia, Foto: unbekannt

Ton in einer Lagerstätte in Estland, Aufnahme 06.06.2013,

   

Der sogenannte Glindower Ton aus der Gegend von Glindow bis Petzow enthält viel staubfeinen Quarzsand und ist ein mehr oder weniger fettes geschätztes Rohmaterial für die Ziegelindustrie. Gefunden und gefördert wurden diese Tone u.a. bei Lehnin, Damelang, Phöben, Jeserig, um nur einige Fundorte zu nennen. Teilweise wurden sie auch als Töpfertone verwendet.

Als gleichfalls wichtige Tonvorkommen für die Ziegelindustrie sind die Haveltonmergel zu nennen. Sie hatten sich in den Wiesen beiderseits der Havel vor Jahrtausenden aus den Schmelzwassern des Inlandeises niedergeschlagen. Von Pritzerbe bis Ketzin sowie zu beiden Seiten des Beetzsees gab es ansehnliche Vorkommen. Die Schichten waren unterschiedlich stark, bei Briest erreichten sie beispielsweise eine Mächtigkeit von bis zu 17 Metern. Der Havelton weist eine weißgraue Farbe auf und enthält bis zu einem Drittel Kalk. Ein ähnlich kalkiger Havelton, dessen Bildung ähnlich entstanden sein muss, liegt im oberen Haveltal bei Zehdenick. Im Ziegeleipark Mildenberg ist ein Stück Ziegeleigeschichte anschaulich erhalten geblieben.

Der Elbton ist gegenüber dem Havelton kalkfrei, aber durch seinen Eisengehalt leicht durch seine Lehmfarbe zu unterscheiden. Er hatte sich einst in den Niederungen des Dorfes Vehlen sowie bei Pritzerbe und in der Gegend um Rathenow abgelagert. Durch mehrere Laufänderungen der Elbe in postglazialer Zeit, die auch bis in unsere Gegend reichten, sind diese Ablagerungen entstanden.

Vereinzelt können lösliche Salze im Ton schädlich sein. Hier entstehen dann am gebrannten Stein weißliche Ausblühungen.

 

Der Produktionsprozess

Der für die Ziegelherstellung benötigte Ton wurde in möglichst nahen Tongruben abgebaut, um weite Transportwege zu vermeiden. Aus diesem Grund fanden sich die meisten Ziegeleien unserer Gegend am Ort der Tonvorkommens. Bei großen Lagerstätten gruppierten sich nicht selten gleich mehrere Betriebe um solche Lagerstätten. Mit dem Niedergang der Ziegelindustrie durch modernere Baumethoden verschwanden auch die vielen Ziegeleien wieder. Geblieben sind die zahllosen mit Wasser vollgelaufenen ehemaligen Tongruben als kleine Seen.

Den in den Tongruben gewonnenen Ton transportierten Feldbahnen, sie eigneten sich am besten dafür, in die Ziegeleien zur Aufbereitung. Anfangs mussten die Arbeiter die Loren von Hand schieben oder Pferde zogen die schweren Loren in die meist Kleinbetriebe, die unter freiem Himmel die noch feuchten Ziegel in der Sonne vortrockneten und anschließend in einem Ofen brannten.. Später übernahmen kleine Feldbahnloks diese Aufgabe für die immer größeren Ziegeleien. Auch in den Ziegeleien entwickelte sich ein immer größeres Feldbahnnetz, um die Masse an Ziegel effektiv und schnell transportieren zu können.

 

Verlag: unbekannt, Foto: unbekannt

Zug von der Tongrube zur Ziegelei, hier wahrscheinlich die Ziegelei Prerauer & Co. bei Zehdenick,

später Werk 2/2 des VEB Ziegelwerke Zehdenick, Datum unbekannt, Slg. H. M. Waßerroth

     

Der abgebaute Ton muss dann zunächst aufbereitet werden. Er muss zerkleinert, gewalzt, geknetet, gemischt, gereinigt, angefeuchtet und mit den gewünschten Zusatzstoffen versehen werden, bevor die Formgebung erfolgt. Das geschah zunächst in Handarbeit, bis Maschinen diese schwere Arbeit übernahmen. Anschließend wird der Ton in eine Form gegeben. Er wird von Hand in eine Holzform "gestrichen", der sogenannte Handstrich. Der Handstrich ist eine alte Technik der Ziegelherstellung. Durch dieses aufwendige manuelle Verfahren bekommt jeder Ziegel seine Individualität in Farbe und Struktur. Mit seiner ästhetischen Wirkung und der individuellen Prägung ist ein Handstrichziegel ein unabdingbares Muss besonders bei der Sanierung und Restaurierung von denkmalgeschützten Bauwerken. In den Dampfziegeleien erfolgte die Formgebung maschinell. In unserer Gegend stellten aber nur wenige Ziegeleien auf eine maschinelle Ziegelformung um.

    

Verlag: unbekannt, Foto: unbekannt

Ziegeleiarbeiter beim Handstrich, Ort und Datum unbekannt, Slg. H. M. Waßerroth

 

Nach der Formgebung wurden die Ziegel luftgetrocknet. Bis zum Festwerden standen die Ziegel auf der flachen Erde. Danach kamen sie in Trockenschuppen, in denen sie in mehreren Etagen in einer Art Regal bis zum Brennen im Ofen weiter an der Luft trocknen konnten.

 

Verlag: unbekannt, Foto: unbekannt

Ziegeleiarbeiter beim Einräumen der vorgetrockneten Ziegel, Ort und Datum unbekannt, Slg. H. M. Waßerroth

      

Das Brennen der Ziegel erfolgte zunächst in Kammeröfen. Der Nachteil hierbei bestand darin, dass der Ofen nach jedem Brand ausgehen und abkühlen musste, bevor man ihn ausräumen und mit neuen Ziegelrohlingen bestücken konnte. Die Erfindung des Ringofens änderte die Technologie des Brennens grundlegend. Der kontinuierliche Brand lieferte nun eine gleichbleibende Qualität der Ziegel. Dagegen war das Ergebnis in den vorher üblichen Kammeröfen nach jedem Brand anders. Die Ringöfen brannten ununterbrochen, Tag und Nacht. Dies ermöglichte jetzt eine vorher nie gekannte Steigerung der Ziegelproduktion.

Der Hoffmannsche Ringofen besteht aus einem großen Kreis oder Oval mit etwa 14 bis 20 Brennkammern, in denen unabhängig voneinander ein Feuer unterhalten werden kann, das die in der Kammer befindlichen getrockneten Ziegelrohlinge brennt. Nach dem Brennvorgang lässt man in einer Kammer das Feuer verlöschen, und die nächste Kammer wird mit Brennstoff beschickt. Dadurch wandert in etwa ein bis zwei Wochen das Feuer einmal um das Oval. Durch eine ausgeklügelte Be- und Entlüftung der Kammern erwärmen die gebrannten Ziegel die Zuluft für das Feuer, was diese wiederum schneller abkühlen lässt, während die heißen Abgase die Rohlinge trocknen und schon vorerhitzen. Im Oval gegenüber der beheizten Kammer befinden sich die jeweils kühlsten Kammern. Hier werden die fertigen Ziegel entnommen und die Kammer neu befüllt.

     

Funktionsprinzip des Hoffmannschen Ringofens am Beispiel des Ringofens der Ziegelei Pape in Bevern

      

File:Ringofenuttum-3008.jpg

Foto: Matthias Süßen

Brennkammer des Hoffmannschen Ringofens der stillgelegten Ziegelei von Uttum, Aufnahme 06.06.2013,

deutlich sind die Feuerungsöffnungen an der Decke und rechts am Boden die Öffnung für den Abzug der Rauchgase zu erkennen

       

Schuerebene des Hoffmannschen Ringofens.JPG

Foto: Frank von Marillac

Schürebene auf dem Hoffmannschen Ringofen der Ziegelei Pape in Bevern, Aufnahme 04.08.2013,

im Boden die Feuerungsöffnungen für die Zuführung von Brennmaterial zu den Brennkammern

     

Nach dem Brennen wurden die Ziegel von den Ziegeleien zu Millionen meist auf dem Wasserweg zu ihren Abnehmern versendet. Der Transport der Ziegel per Schiff war die preiswerteste Art. Hier konnten große Mengen preisgünstig versandt werden. Für Ziegeleien, die ihre Anlagen nicht in unmittelbarer Nähe zu Wasserwegen hatten, war es sogar rentabel, einen Stichkanal bis vor die Tore des Werkes anzulegen. So geschehen u.a. bei der Ziegelei Weseram, im Ziegeleigebiet Deetz und Götzer Berge. Auch der Transport der Ziegel per Bahn war für Ziegeleien mit ungünstiger Lage zu den Wasserwegen eine Altenative, wie zum Beispiel bei den Ziegeleien am Lötz bei Päwesin. Der Transport mit der Eisenbahn war zwar teurer, aber die Ziegel waren schneller beim Empfänger. Viele Ziegeleien unterhielten eigene Feldbahnen zu Ladestellen der Eisenbahn.

    

 

 

aus verschiedenen Quellen

zusammengestellt und bearbeitet von H. M. Waßerroth 

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vers. 1.4.1. vom 26.04.2017

© Harumi Michelle Waßerroth